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Neue Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe hat ihren Schrecken verloren

15-12-2017 11:23 von Björn Nicolaisen

Museumshafen Oevelgönne e.V. und Stiftung Hamburg Maritim zufrieden mit Abschluss der Gespräche beim BMVI

Der Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) und der Berufsgenossenschaft Verkehr (BGV) zur Neufassung und Verschärfung der Sicherheitsvorschriften für Traditionsschiffe hat in den vergangenen Monaten hohe Wellen geschlagen. Jetzt – nach drei gemeinsamen Sitzungen des BMVI mit der Stiftung Hamburg Maritim (SHM), dem Museumshafen Oevelgönne (MHOe) und der GSHW (Gemeinsame Sicherheitskommission für historische Wasserfahrzeuge) – haben sich Gesetzgeber und Betroffene aufeinander zubewegt. In konstruktiven Dialogen konnten Missverständnisse beseitigt werden, einige als undurchführbar empfundene Vorschriften erwiesen sich als erfüllbar. Was immer gern überlesen worden ist: Die neue Richtlinie gesteht den Betreibern historischer Schiffe ausdrücklich zu, geforderte Sicherheitsstandards auf unterschiedliche Art und Weise herzustellen, so lange ein ausreichender Schutz der Personen an Bord  gewährleistet ist. Bundesverkehrsminister Christian Schmidt hatte bei Verhandlungsbeginn die Richtung vorgegeben: Wegen der neuen Richtlinie solle kein historisches Schiff entstellt oder stillgelegt werden müssen, aber über Personensicherheit sei mit ihm nicht zu diskutieren.

 

Die neue Richtlinie birgt einige grundlegende Änderungen gegenüber den alten, über die Jahre gewachsenen Regeln.  Aber, alle bisher zugelassenen, besonders die denkmalgeschützten Traditionsschiffe haben Bestandsschutz.

 

Eine überfällige Verschärfung ist der so genannte „Stabilitätsnachweis“ – für jedes Traditionsschiff muss die Kentersicherheit nachgewiesen werden. Für Berufsfahrzeuge, insbesondere für Passagierschiffe, ist dies schon seit langem selbstverständlich.

 

Ein anderes heikles Thema erregte die Gemüter in besonderem Maße – die geforderte  Untersuchung auf Seediensttauglichkeit, sie ist in der Berufsschifffahrt seit jeher verpflichtend. Nun stellte sich heraus, dass diese Forderung nur für die „sichere Mindestbesatzung“ gilt, die auf kleineren Einheiten nur aus Schipper und Steuermann besteht, auf größeren Rahseglern oder Dampfern natürlich einige Dienstgrade mehr. Auch die Angst, ältere Menschen würden die strenge Prüfung generell nicht mehr schaffen, konnte vom leitenden Arbeitsmediziner der BG Verkehr entkräftet werden, zumal es noch Erleichterungen bei Kurzfahrten in geschützten Gewässern gibt.

 

Oft durch die Presse getragen und überzogen dargestellt waren auch Fragen zu Reling, das wasserdichte Schott, die feuerfeste Treppe, Ankergewichte, Kettenlängen – alles Richtwerte und Forderungen, die bei neuen Schiffen und bei Umbauten erfüllt werden sollten, von den historischen Schiffe aber garnicht zwingend erfüllt werden müssen.

 

Ein alter Zopf konnte noch abgeschnitten werden: Die sperrigen Pressluftatmer werden in der küstennahen Fahrt nicht mehr gefordert, nur für Segelschulschiffe auf großer Fahrt bleiben sie natürlich Pflicht.

 

Die gemeinsamen Gesprächsrunden haben also zum allgemeinen Aufatmen geführt, gleichwohl muss man feststellen, dass die Sicherheitsstandards nun auf breiter Front angehoben werden. Mit der Gewährung von Bestandsschutz, angemessenen Übergangsfristen und vor allem den in Aussicht gestellten finanziellen Anpassungshilfen des Bundes soll die ganze Flotte in absehbarer Zeit auf ein besseres technisches und betriebliches Niveau gebracht und auch die Traditionsschiffer besser qualifiziert werden.

 

Der Museumshafen Oevelgönne e.V. und die Stiftung Hamburg Maritim haben den Werdegang der Richtlinie als Dialogpartner des BMVI und der BG-Verkehr begleitet. Björn Nicolaisen, Geschäftsführer vom Museumshafen Oevelgönne e.V. zeigt sich erleichtert: „Noch vor Weihnachten haben wir die entgültige Fassung, die von allen Beteiligten vorbehaltlos getragen wird. Dann können wir endlich in die Finanz- und Fahrtenplanung für 2018 einsteigen“

 

Der ehrenamtliche Richtlinienbeauftragte des Museumshafens, Till F. Braun, fügt hinzu: „ohne die professionelle Moderation durch Ministerialdirektor Reinhard Klingen, seine Mitarbeiter und die BG Verkehr hätten wir es nicht geschafft, diese notwendige Anpassung der Traditionsschiffrichtlinie so zielgerichtet in ruhiges Fahrwasser zu bringen“.

 

Museumshafen Oevelgönne e.V.

Der Museumshafen Oevelgönne e.V. war 1976 die erste Vereinsgründung seiner Art in Deutschland, um außer Dienst gestellte Wasserfahrzeuge aus der Berufsschifffahrt, die für die norddeutsche Schifffahrtsgeschichte kennzeichnend sind, durch ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter in Fahrt zu halten. Alle Schiffe wurden eng nach Originalvorbildern anhand von Plänen, Fotografien und anderen Quellen aus Hamburger Museen restauriert. Diese haben ihrerseits eigene Schiffe in die Pflege des Vereins übergeben. Der Verein hat heute fast 600 Mitglieder und betreibt ehrenamtlich 11 Schiffe (3 davon als Traditionsschiff-See), von denen 8 im Eigentum des Vereins stehen. Drei dieser Schiffe wurden in der Denkmalliste der Stadt Hamburg unter Schutz gestellt. Insgesamt ist der Museumshafen Oevelgönne in Hamburg-Altona Heimathafen für fast 30 historische Berufswasserfahrzeuge. www.museumshafen-oevelgoenne.de

 

 

Stiftung Hamburg Maritim

Die Stiftung Hamburg Maritim wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, das vielfältige maritime Erbe Hamburgs zu bewahren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Inzwischen ist die Stiftung Eigentümerin von 12 historischen Schiffen unterschiedlichster Bauart und Größe, von denen fünf als Traditionsschiffe betrieben werden, zwei Schiffe sind eingetragene Denkmale. Größtes Schiff ist der ebenfalls denkmalgeschützte Stückgutfrachter BLEICHEN von 1958. Für jedes der aktiven Schiffe wurden eigenständige Betriebsvereine gegründet, ihre ehrenamtlich tätigen Mitglieder- insgesamt mehr als 1.200 - engagieren sich für deren Pflege und Fahrbetrieb. Die Stiftung betreibt auch den Sandtorhafen in der HafenCity, in dem rund 25 Traditionsschiffe ihre Liegeplätze haben. www.stiftung-hamburg-maritim.de

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